Newsletter: KW 14 in Genderhausen

Die Eierdichte nimmt zu, das kann ja nur eines heißen: Bald ist Ostern. KW 14 nun Geschichte, und die war relativ entspannend. Zumindest bei mir. Viel gelesen und ein paar Tage in Franken gewesen. Dort Bier getrunken, Kirchen und alte Meister angeschaut und darüber gefreut, wie wohltuend analoger Input ist.

Aber digital habe ich trotzdem ein paar Sachen mitbekommen, ich fang mal mit dem absoluten Highlight an. Ein Post der Burschenschaft Hysteria, den ich mal unkommentiert stehen lasse. Der geht nicht besser:

Burschenschaft Hysteria Facebook
Kristina Schröder Twitter

Aber es gab auch Aufreger in Genderhausen – Ex-Ministerin Kristina Schröder hat sich, zumindest ein bisschen, wenn ich das richtig interpretiere, aufgeregt. Und zwar über  „Teile des Feminismus“, und über Edition_F:

Der Link in Schröders Tweet führte zu einem Interview mit der Autorin Mirna Funk, folgende Äußerung Funks fand Schröder so schlimm:

Warum gehen die Themen Weiblichkeit und Zukunft für dich Hand in Hand?

„Weil das Jetzt schon weiblich ist. Soziale Netzwerke sind weiblich. Das Internet ist weiblich. Digitalisierung ist weiblich. Deswegen bäumen sich ja auch die alten weißen Männer gerade noch mal auf. Wie ein Tier kurz vorm Tod. Sie spüren sehr wohl, dass die Zeit für sie gekommen ist.“
Der Artikel ist mittlerweile offline, aber hier noch abzurufen. Schröder unterstellt, dass Funk den „alten weißen Männern“ IRL den Tod wünscht und findet dies entsprechend „menschenverachtend“. Herrschaftszeiten! Ich wiederum sehe bei Schröder nur die x-te im vorauseilenden weiblichen Gehorsam absolvierte Distanzierung gegenüber dem Feminismus, die a) nicht nur die Verwendung rhetorischer Stilmittel verkennt, sondern vor allem b) darauf besteht, dass Feministinnen schön artig und brav zu sein haben. Sprache müsse sich mindestens so zügeln wie die Feministinnen selbst, die ihre latente menschenverachtende Hysterie doch bitte einem Dekorums-Test der Frauen-Union unterziehen sollen. Denn wer so „menschenverachtend“ daherredet, der habe ja wohl keinen ernsthaften Anspruch auf politische Gestaltung.
Aber das war noch nicht das Lowlight. Das kommt hier. Ein Artikel des „The Federalist“, in dem argumentiert wird, dass Frauen und Männer nicht befreundet sein können, weil sie nicht befreundet sein SOLLTEN. Warum nicht? Naja, weil Frauen, die mit Männern befreundet sind, diese nur hinhalten bzw. von anderen Frauen fernhalten, mit denen besagte Männer nach erfolgter Eheschließung Kinder kriegen könnten. Außerdem stehen Frauen einfach nicht genug auf Videospiele und Furzwitze, als dass sie jemals WIRKLICH mit einem Mann befreundet sein könnten. Das steht da alles wirklich drin. Wie auch dieser Absatz hier:
Just because men don’t want to be your friend, however, doesn’t mean they don’t enjoy your company. They most certainly do. They love discovering how you see the world, what you think about life, the universe, and everything. They love your kindness, thoughtfulness, sensitivity, support, and your nurturing heart. They love being in your presence when you display the wonders of the feminine virtues.

Dieser sexistische, heteronormative Müll ist hoffentlich Satire, habe ich noch gehofft. Aber danach sieht es leider nicht aus. (Nebenbei: Habe auch mal etwas zu „platonischer Liebe“ geschrieben und zwar hier.)

„freundin“ 08/2017

Und apropos „aussehen“. Das aktuelle Vaginen-Ideal ist, wir wissen es, das Brötchen. Bei Vice nochmal eine Zusammenfassung dieses Trends und der Hintergründe. Aber wer glaubt, dass Eingriffe wie „G-Punkt-Unterspritzung“ nur bei „Vice“ auftauchen, dem leihe ich gerne die letzte „Freundin“ (08/2017) aus, in der eine solche Unterspritzung auch noch als effektiv beschrieben wird (siehe Bild). Fakt: Der G-Punkt ist in der medizinischen Forschung umstritten. Fakt II: Der Effekt einer entsprechenden Unterspritzung ist wissenschaftlich NICHT belegt. Ärzte*innen die einen solchen Eingriff anbieten, sind unverantwortliche Scharlatane und Journalist*innen, die einen solchen Eingriff auch noch bewerben, deren Handlanger*innen.

So. Anderes, schöneres. Ans ❤ legen möchte ich euch diese Woche nämlich auch etwas. Diesen feinsinnigen Kommentar zum „Menstruationsurlaub“ bei puls vom Bayerischen Rundfunk und diesen wunderbar geschriebenen Artikel bei der taz über Mathilde Franziska Anneke – Freiheitskämpferin, Feministin, Verlegerin, alleinerziehende Mutter, Schriftstellerin. Und ziemlich vergessen. Warum das eine Schande ist (auch weil Anneke ein so inspirierendes Leben geführt hat), lest ihr in dem Beitrag von Waltraud Schwab. Wirklich große Ans-Herz-Legung. Gönnt es Euch!

Neben dem #Netzfund, gibt es aber auch mal wieder einen #Buchtipp. Das neue Buch von Chimamanda Ngozi Adichie: „Dear Ijeawele, Or A Feminist Manifesto In Fifteen Suggestions“. Ich habe es noch nicht gelesen, aber nicht nur der Auszug beim „Guardian“ macht Lust darauf, sondern auch was Adichie im Gespräch mit der Zeitung so sagt:

Her understanding of feminism is intertwined with her understanding that we all want to be more than one thing. And anyway, she repeats, “Can people please stop telling me that feminism is hot? Because it’s not.” Adichie looks magnificently annoyed. “Honestly.”

Und bevor ich mir noch etwas für die nächste Woche wünsche, muss ich euch noch ein Zitat aus meinem #Buchtipp von vor zwei Wochen nachreichen. Aus „I love Dick“ von Chris Kraus. Habe das Buch mittlerweile zuende gelesen und kann nur unterstreichen: Believe the hype! Großartig.

„Dear Dick,“ I wrote in one of many letters, „what happens between women now is the most interesting thing in the world because it’s least described.“

Mehr davon also.  Ein kleiner Wunsch.

Baba, Ihr Lieben!

P.S. Ich hab auch geschrieben, in der letzten Woche. Bei ze.tt: „Warum wir beim Schlussmachen nicht zu viele Fragen stellen sollten“.

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