Newsletter: KW 34 in Genderhausen

Ich frage mich gerade was wohl gewesen wäre, wenn der Sommer als Sommer passiert wäre? Hätte ich dann tatsächlich all das gemacht, was ich mir vorgenommen habe (hauptsächlich: an einen See fahren und Eis essen), oder lüge ich mir nur in die Tasche? Wäre der Sommer dann nicht eh gewesen wie er war? Okay, aber mit viel Luft nach oben?

Irgendwie scheinen diese Art von Fragen gerade Konjunktur zu haben. So wurde bei Twitter letzte Woche gefragt, wie es wohl wäre, einen Tag ein Mann zu sein: #MannfuereinenTag Abgesehen von ein paar vereinzelten „feminazi“-Rufen ging es auch ganz gesittet und sogar spannend zu. Von den manchmal lahmen, manchmal sehr lustigen Mit-meinem-Geschlechtsteil-spielen Tweets bis hin zu eher sozialpolitischen Beschwerden:

Aber, man sollte vielleicht auch darauf hinweisen, dass #MannfuereinenTag auch nicht nur doll wäre:

Und was macht Zeit Online/Zeit Magazin? Eine Titelgeschichte zu der Frage, wie Deutschland aussehen würde, wenn nur Frauen entscheiden könnten. #Highlight! Wie sähen die Parkhäuser aus, wie die Kinderstatistik? Wie die Verbrecherstatistik und wer säße in den Landtagen? Klar ist: Die Welt sähe ein bisschen besser aus. Eine ganze Ecke anders. Aber nicht so anders, wie erhofft. Trump wäre zwar nicht Präsident, wenn nur Frauen gewählt hätten. Aber er wäre Präsident, wenn nur weiße Frauen gewählt hätten.

Womit wir beim #Lowlight wären. Die andauernde Auseinandersetzung zwischen Judith Butler und Alice Schwarzer – geführt über Beiträge bei Die Zeit. Kurz und knapp: Darf man sich aus feministischer Perspektive dem Islam gegenüber kritisch äußern? Und: Wer ist hier Rassistin?

Diese Dramaturgie kann einem bekannt vorkommen. Denn wird irgendwo der Vorwurf „rassistisch“ fallengelassen folgt in den allerseltensten Fällen eine Diskussion über den Inhalt des Vorwurfs – stattdessen wird mit Konter-Vorwürfen geschossen. Im Fall Butler/Schwarzer ist das auch deswegen so müßig, weil beide mit „Rassismus“ wohl grundsätzlich Verschiedenes meinen, wie der Soziologe Floris Biskamp auf seinem Blog darlegt. Biskamp hält die Auseinandersetzung für eine „Nicht-Diskussion“:

Es gibt ein Spannungsfeld von Islam, Feminismus und Rassismus. Jede politische Praxis, die sich auf dieses Feld begibt, täte gut daran, die Spannung zu reflektieren. Wenn aber nun eine Debatte über diese Spannungen in der rennomiertesten deutschen Wochenzeitung einem Teekesselchen-Spiel gleicht, wenn auch Medien wie taz und Deutschlandfunk Kultur die Positionen in dieser Debatte grob missrepräsentieren, wo und wie soll die Reflexion dann sinnvollerweise stattfinden?

Biskamp hat mit seinem Beitrag einen Anfang gemacht. Wer mag als nächste*r?

Und auch mein #Netzfund hat noch einmal etwas mit dem Thema „was wäre wenn“ zu tun – Im Guardian schreibt Rebecca Solnit ein Essay über die Frage „If I were a man“ – lang und lohnenswert, große Empfehlung. Hier zu lesen.

Ans ❤ legen möchte ich euch diese Woche eine Abstimmung von Terre des Femmes – die Frauenrechtsorganisation verleiht einen Negativ-Preis für sexistische Werbung („Der zornige Kaktus“) – abstimmen könnt ihr noch bis zum 3. 9. Die Qual der Wahl!

Geschrieben habe ich auch und zwar bei ze.tt über die Frage ob Beziehungsunfähigkeit nicht einfach eine Krankheit ist und bei WELT kmpkt über den Liebestrend „Love Bombing“ und die Erkenntnis, dass eure Lieblingscola über euer Beziehungsglück entscheiden kann.

Baba, ihr Lieben, macht’s gut. Nochmal ein Sommer-Versuch! Freibad und Pommes!

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