Newsletter: KW 35 in Genderhausen

Es ist soweit und es ist offiziell soweit: September. Herbst. Es wird kühl. Noch einmal Freibad mit vielen „Verweile doch“-Momenten, aber ansonsten gilt: Ja, den Schal nimmt man Abends besser mit. Trotz seichter Melancholie kann man sich aber immerhin bei geschlossenen Augen weiterhin ans Mittelmeer träumen (Apropos: Suche dort Überwinterungsmöglichkeit für einen Monat im nächsten Jahr. Jemand eine Idee?) und über #Highlights freuen. Wie dieses Interview mit Jutta Allmendinger. Die Soziologin und Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin macht darin deutlich, wie wenig gleichberechtigt Frauen nach wie vor in puncto Arbeit und Bezahlung sind. Gegen Quoten werde dennoch gewettert, dabei seien Männer in Spitzenpositionen doch auch quotiert. „Frauenberufe“ werden schlechter entlohnt, ein Kind bedeutet für die meisten Frauen ein Abo auf eine Teilzeitstelle. Und all das auch deswegen, weil hierzulande starr am „Normallebensverlauf“ festgehalten wird: Vollzeit bis zur Rente.

Hinzu kommen: Mitversicherung, Ehegattensplitting, jede Menge Anreize für Männer, im Haushalt nur zuzuarbeiten. Nicht zu vergessen geringere Löhne. Diese Strukturen sind knallhart. Sie beeinflussen Arbeitgeber und fördern Stereotypisierungen. Arbeitgeber sehen ihre weiblichen Nachwuchskräfte und denken: „Sobald die ein Kind kriegt, will sie keine Karriere mehr.“ Diese Bilder beeinflussen natürlich auch die Entscheidungen, die Frauen treffen. Wenn sich werdende Eltern zusammensetzen und fragen, wer beruflich eine Auszeit nimmt, dann ist es logisch, dass die Frau das macht. Sie hat die schlechtere Verhandlungsposition.

Außerdem bezieht sich Allmendinger auf einige aufschlussreiche Studien, in denen sie untersucht hat, wie sich Frauen ihre Arbeitswelt vorstellen. Es ist etwas in Bewegung. Doch es gilt: „Aber ich würde mich nicht auf die Zeit verlassen. Ich würde Politik und Wirtschaft jetzt unter Druck setzen.“

Bald sind ja auch Bundestagswahlen…

Kommen wir zum #Lowlight. Stiletto-Gate. Melania Trump bestieg ein Flugzeug nach Texas, auf dem Weg ins arg gebeutelte Houston. Ungünstig nur, dass sie auf dem Weg in ein Krisengebiet steile Manolo Blahnik-Stilettos trug. Also nicht nur unpraktisches Schuhwerk, sondern Schuhe, die für den Großteil der Amerikanerinnen völlig unerschwinglich sind. Und während Melania also flog, braute sich ein Shitstorm deswegen zusammen. Das Flugzeug verließ sie dann in Sneakers. Warum das Schuhwerk einer Präsidentengattin so relevant für viele Menschen ist, erklärt Vanessa Friedman für die New York Times: Die Frau als Symbol für die Politik ihres Mannes, ihr Körper als politisches Signal. Berechtigte Kritik oder hat vor allem Laurie Pennie recht: Melania Trump ist das „First Victim“.

#Netzfund der Woche ist ein Artikel, der bei Wired erschien. Die Physik-Professorin Alison Coil erklärt, wie sich die „Gender Bias“ in den Naturwissenschaften so hartnäckig hält. Also warum es Frauen so schwer fällt/schwer gemacht wird, in Spitzenpositionen vorzudringen. Es gibt unzählige Studien, die zeigen, mit welchen Vorurteilen Frauen in den Naturwissenschaften begegnet wird: Sie seien nicht analytisch genug, Männer erscheinen kompetenter. Das übersetzt sich dann auch in die Ergebnisse von Studien die zeigen, wie Männer bei Neu-Einstellungen bevorzugt werden. Die große Frage: Warum werden Frauen von Wissenschaftlern also TROTZ dieser Studien noch so benachteiligt?

But it is in large part because they are scientists that they do not want to believe these studies. Scientists are supposed to be objective, able to evaluate data and results without being swayed by emotions or biases. This is a fundamental tenet of science. What this extensive literature shows is, in fact, scientists are people, subject to the same cultural norms and beliefs as the rest of society. The systemic sexism and racism on display every day in this country also exist within the confines of science. Scientists are not as objective as they think they are. It is an extremely destabilizing realization for someone whose entire career has been rooted in the belief in human objectivity.

Wer glaubt, in den Laboren dieser Welt gehe es streng nach Kompetenz und Zahlen vor, der darf also nochmal überlegen.

Ans ❤ legen möchte ich euch schließlich einen Artikel von Hilary Mantel, beim Guardian, über Princess Diana, deren Todestag sich letzte Woche zum 20sten Mal gejährt hat. Ich bin, sag ich mal vorab, großer Mantel-Fan – was für eine Schriftstellerin! Und in diesem Text bekommt man einen Eindruck ihrer Meisterschaft. Mantel geht dem Mythos von Diana nach – mit fast schwindlig machendend klugen Referenzen zu Medientheorie und Psychoanalyse, sowie bestechenden Beschreibungen der Rollen die man Diana zugedacht hatte, die sie spielte, wie sie gespielt wurden.

Geschrieben habe ich auch und zwar bei WELT kmpkt über eine Studie, die verstehen will, warum uns Trennungen so schwer fallen.

Baba, ihr Lieben, macht’s gut. Sonne so viel wie noch geht und frohen Mut bei allem, was ansteht.

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