Newsletter: KW 36 in Genderhausen

Erstaunlich, wie biegsam Bäume sind… Ja, es ist Herbst. Ab jetzt wird alles ein bisschen anders. Wie anders, dass wird sich noch zeigen. In zwei Wochen werden wir zum Beispiel wissen, wie die Bundestagswahl ausgegangen ist. Und das sich der Bundestag ändern wird, ist jetzt schon klar. Seid ihr auch … aufgeregt? Ich bin es tatsächlich. Dabei weiß ich noch nicht, wen ich wählen werde. Wisst ihr es schon? Ich muss mich auf jeden Fall ranhalten mit Infolücken stopfen – die letzten Tage haben dabei nicht geholfen. Ich hatte Besuch von einer Freundin aus London, Freunde aus Köln waren auch da und wir alle dann auf dem Lollapalooza. Da saß ich dann u.a. auf dem Boden, hab in die Sonne geblinzelt und mit den Füßen zu Westbam gewippt. Das war alles sehr schön, wirklich wahr. Und daher hoffe ich auch, dass ihr mir das schon als #Highlight abnehmt. Denn in Genderhausen bin ich nicht fündig geworden.

Dafür gibt es drei #Lowlights – zwei davon haben sogar etwas miteinander zu tun. Zunächst die Geschichte zweier amerikanischer Start-Up Gründerinnen, die sich einen fiktionalen männlichen Mitgründer ausdachten, um mit Investoren und Technikern besser kommunizieren zu können. Penelope Gazin und Kate Dwyer fanden, sie hätten folgende Kommunikation nicht nötig:

In response to one request, a developer started a email with the words “Okay, girls…”

Zurecht. Und so kam Keith ins Spiel. Ein männlicher Co-Gründer unter dessen Namen die beiden fortan mit Geschäftskunden und Partnern kommunizierten. Und siehe da:

“Whenever he spoke to Keith, he always addressed Keith by name,” says Gazin. “Whenever he spoke to us, he never used our names.”

Ich kann mir diese Veränderung sehr gut vorstellen. Und ich würde wahnsinnig gerne mal ein ähnliches Experiment starten. Mal überlegen…Hier ist die Meldung übrigens nachzulesen.

Zweites #Lowlight, nochmal USA. Es geht um die Forschungsarbeit einer Studentin zu Online-Foren. Alice H. Wu hat Chat-Diskussionen in Gossip-Foren ausgewertet, wobei es sich bei den „Chattern“ um Mitglieder der wirtschaftswissenschaftlichen Community handelt. Wie dort über Frauen gesprochen wird ist, sagen wir mal, erstaunlich:

hotter, lesbian, bb (internet speak for “baby”), sexism, tits, anal, marrying, feminazi, slut, hot, vagina, boobs, pregnant, pregnancy, cute, marry, levy, gorgeous, horny, crush, beautiful, secretary, dump, shopping, date, nonprofit, intentions, sexy, dated and prostitute.

Über Männer heißt es:

It includes words that are relevant to economics, such as adviser, Austrian, mathematician, pricing, textbook … goals, greatest and Nobel. … bully, burning and fought.

Sexismus, Frauenfeindlichkeit, Machotum, you name it. Und solche Menschen machen Wirtschaft…Hier der Artikel bei der NYT.

#Lowlight Nummer 3: Irma. Auch, weil Betroffene Wirbelstürme mit weiblichen Namen nicht so ernst nehmen und diese daher tödlicher enden. Ist leider wirklich wahr. Hier nachzulesen.

Schnell zum #Netzfund. Dabei geht es um Taylor Swift. Die Sängerin hat mich ehrlicherweise noch nie interessiert, ich kenne kein einziges ihrer Lieder. Lediglich die Tom Hiddleston-Episode fand ich verstörend. Was ich aber wohl mitbekommen habe ist, dass Swift eine ziemlich kontroverse Person ist. Bejubelt als All American-Girl und angefochten für ihre Zurückhaltung wenn es um politische Themen geht. Nun hat sie also einen neuen Song, ein neues Video veröffentlicht und mindestens das halbe Internet hyperventiliert. Interessiert mich ehrlich gesagt immer noch nicht. Was allerdings spannend ist, ist die Art und Weise, wie Swift als Frau nun angegriffen wird. Wie ihr „Downfall“ abläuft. Wie sie alles versucht, um einem (patriarchalen) Ideal zu entsprechen, wie aber genau diese Mechanismen letztlich dafür gesorgt haben, dass sie vom Sockel gestürzt wird. Wie Sady Doyle in einem tollen Artikel für die US-Elle schreibt:

We ask women to do and be the impossible, and exult in their inevitable failure. Whether or not you like Swift isn’t the point — again, I don’t. The point is that she worked tirelessly to embody the patriarchy’s idea of what a girl should be, she was all but untouchable, and the pattern of hype and backlash still took her out eventually. If it can happen to her, none of our golden girls are safe.

Und Isabell Prophet hat bei Noizz die aktuelle Polemik aufgegriffen.

Ans ❤ legen möchte ich euch, das hat schon Tradition, einen Artikel von Margarete Stokowski. Es geht um ein Gedicht. Genauer: Um ein Gedicht an der Hauswand neben einer Berliner Hochschule. Der AStA findet es sexistisch, die Hochschule lässt über die Entfernung des Gedichts abstimmen und, natürlich, die Damen und Herren, die diese Diskussion völlig lächerlich finden, stehen schon Schlange. Peter Praschl macht sich in der WamS über die vermeintlich verklemmten Political Über-Korrekt-Studierenden lustig (und findet es zugleich schlimm, „Studierende“ statt „Studenten“ zu schreiben. Ach, Herr Praschl.) aber auch sonst: Viel Kopfschütteln, wenig Diskussion. Auftritt Stokowski. Sie nimmt den Ablauf der Debatte noch einmal auseinander und stellt schließlich fest:

[Das könnte] ganz, ganz vielleicht … mal eine Debatte sein, in der am Ende rauskommt, dass Leute Dinge unterschiedlich wahrnehmen, ohne dass jemand „politische Korrektheit“ ruft, denn sobald dieser Begriff fällt, kann man meistens direkt schlafen gehen, ist gesünder.

Geschrieben habe ich auch und zwar bei ze.tt zur Frage, ab wann man aufhören sollte zu flirten und bei WELT darüber, wie wenig das Internet bei der Liebessuche behilfreich ist, über einen dämlichen Marketing-Gag und über Sex in der Öffentlichkeit.

Baba, macht’s gut, ihr Lieben. Eine feine Rest-Woche euch. Kreiert Highlights!

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