Newsletter: KW 39 in Genderhausen

Letzte Woche war so viel los. Zuviel vielleicht. Meine Güte! Aber ich versuch’s mal ganz tapfer von Anfang an. Bundestagswahl! Mit einer Woche Abstand kann ich schon etwas nüchterner darüber reden, aber spare mir mal die übliche Lamentiererei. Der Einzug der AfD ist schlicht furchtbar. Und der Frauenanteil im Bundestag ist es auch. 31 Prozent. Dass da die AfD mit 12 Prozent Frauenanteil in den eigenen Reihen die Quote deutlich senkt, dürfte klar sein. Aber die CDU/CSU ist auch nicht viel besser, die Fraktion hat 20 Prozent Frauen. So wenig Frauen wie seit 1992 nicht mehr. Bitter.

Auch ein Grund, warum mich der „Ich will mich politisch engagieren“-Virus befallen hat. Wie geht es euch? Verratet ihr mir, welche Partei eure erste Wahl wäre, wenn ihr euch engagieren würdet?

Aufgeheitert haben mich dann zwei Facebook-Posts, von Christian Nürnberger und Michael Bohmeyer. Nürnberger schreibt, was auch mein Eindruck war: Die Frauen haben sich in den Wahlsendungen deutlich besser geschlagen, die üblichen Verdächtigen (Seehofer…) hingegen haben beschämend gepoltert und damit Offenbarungseide am Stück abgelegt.

Oder, wie es Bohmeyer schreibt:

„Die autoritären Mackermänner dominierten die Redeanteile. Schulz versucht den Schröder zu machen und ist dabei noch lächerlicher als sonst. Der Nazi hält auf beeindruckend eloquente Art die unendliche Spannung zwischen Form und Inhalt seiner Aussagen. Der Provinzbayer bettelt wie ein Kind, dass er mitreden darf (Warum sitzt der da?) und labert dann nonsens bis alle die Augen rollen. Einzig die drei Ostfrauen am Tisch agierten besonnen, konstruktiv, authentisch und mit Haltung. Die unzähligen Männer hätte es für eine konstruktive Debatte schlichtweg nicht gebraucht. Sie haben nur die Egoshow inszeniert, nach der sich so viele gekränkte Männerseelen da draußen sehnen, weil sie ihnen hilft, ihre emotionale Überforderung mit der komplexen Welt zu kompensieren.“

Weiter geht’s mit einem #Lowlight. Hugh Hefner ist gestorben und viele viele Kommentatoren haben nichts besseres zu tun, als den Playboy-Gründer als Proto-Feministen zu feiern. Wie bitte?! Da hab ich mich ja fast an der Apfelschorle verschluckt. Aber zum Glück feuerten andere zurück, um diese beschämende Fehleinschätzung mal ins rechte Licht zu rücken.

Zum Beispiel Suzanne Moore im Guardian.

You can dress it up with talk of glamour and bunny ears and fishnets, you can talk about his contribution to gonzo journalism, you can contextualise his drive to free up sex as part of the sexual revolution. But strip it all back and he was a man who bought and sold women to other men.

Aber am wunderherrlichsten trifft es Paula Irmschler, die ich seitdem innerlich mit Konfetti bewerfe. Bitte lest das einfach:

Als #Netzfund habe ich diese Woche mal wieder einen Artikel vom Standard. Dort wird über einen jungen Studenten berichtet, der zunächst als Hyper-Romantiker von der Presse gefeiert wurde. Er ist von seiner Freundin verlassen worden und beschloß, nun so lange öffentlich Klavier zu spielen, bis sie sich wieder erbarmte, Großes Aww! Zum Glück aber auch die angemessenere Reaktion: Kotz! (Mit Verlaub.) Denn, tschuldigung, das ist keine tolle Geste. Das ist Nötigung. Frauen dürfen Männer verlassen. Doch die Idee der romantischen Liebe gibt uns oft genug vor, das Liebe eine Art Verhandlungsmasse sei und eventuelle Widrigkeiten ritterlich zu bekämpfen seien:

das Primat der romantischen Liebe entkernt nicht nur das weibliche „Nein“, sondern fordert mit immensem Nachdruck das männliche Werben. Es verlangt, dass Männer Frauen überraschen und erobern. Sie sollen sich etwas einfallen lassen und allzeit bereit sein, um sie zu kämpfen.

Das ist ein Problem und zeigt mal wieder, wie dringend wir diesem Liebeskonzept mal auf die Pelle rücken sollten.

Ans ❤ legen möchte ich euch daher die Frage, ob euch schon mal vergleichbares passiert ist. Habt ihr mal derart um „die Liebe“ gekämpft? Wurde um euch gekämpft? Würde mich sehr freuen, wenn ihr mir berichtet, natürlich vertraulich. Gerne auf Facebook, oder per Mail an mail@doktorgpunkt.de

Geschrieben habe ich auch und zwar bei WELT, über eine Studie, die untersucht hat, was Leute in langen Beziehungen so „richtig“ machen.

Baba, ihr Lieben, macht’s gut. Uns allen eine konzentrierte Woche und einen genehmen Feiertag.

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