Newsletter: KW 46 in Genderhausen

Manche Wochen sitzen einfach auf einem drauf. Man kann sich nicht rühren und wartet tapfer ab, bis sie einen wieder freigeben. So ging sie los, die letzte Woche. Und dann bin ich nach Köln gefahren und die Woche ließ von mir ab. Denn dort war alles so ganz im Gegenteil, so gemütsnährend schön, dass KW 46 jetzt endet mit einem Sack Wehmut. Der Pendler-Krankheit. Aber auch in Köln habe ich mal wieder einige #metoo-Gespräche geführt. Diesmal mit Männern. Und dabei musste ich an einen Artikel von Jana Hensel denken, von Zeit Online. Mein #Highlight der Woche.

In ihrem Text greift Hensel einen Moment auf, den die meisten von uns gut kennen. Das Lachen über sexistische Sprüche. Dieses nicht mit den Augen schmunzelnde Lachen, sondern das etwas kehligere Höhö. Das Lachen über feuchte Höschen-Witze. Ein Lachen am Konferenztisch, in der Teeküche, bei der Besprechung. Beiläufig vielleicht, aber hörbar. Für Hensel ist dieses Lachen eine Geste der Unterwerfung. Ja, nichts geringeres:

Sexismus im Büro ist eine alltägliche und ziemlich eingeübte männliche Kommunikationsform, die den Zweck hat, die eigene Macht zu sichern. Frauen, zumal wenn sie selbstbewusst auftreten, stören nämlich in den Augen vieler Männer den normalen Betriebslauf, sie verändern die Routinen, die Rituale, die Übereinkünfte. Sie mischen sich ein. Noch dazu mit einer oft anderen Art zu sprechen, zu denken, zu Entscheidungen zu gelangen. Und sie könnten besser sein als man selbst. Sie könnten eines Tages der Chef sein.

Hensel hält die Angst der Männer vor dem Aufstieg der Frauen, die eben hinter diesem Lachen steckt und es motiviert, für die entscheidende Angst in der ganzen Debatte:

Die Angst der Männer vor dem Aufstieg der Frauen ist eines des größten Tabus unserer Gegenwart, sie prägt unsere Zeit, sie markiert unsere Epoche. Denn natürlich ist es ein Verdrängungskampf um die immer knapper werdende Ressource Arbeit und die stets knappe Ressource Macht. Und Sexismus ist eine Waffe der Männer in diesem Kampf.

Sexismus ist eine Waffe. Dass ist eben überhaupt das Entscheidende. Es geht dabei um Macht, um Machtdemonstrationen. Das steckt hinter jeder: „Beug dich doch noch weiter nach vorne, vielleicht werden wir dann schneller fertig“-Bemerkung. Bei Sexismus geht es nicht in erster Linie um Sex. Dass muss man sich unbedingt klarmachen. Es geht um Macht. Und deswegen ist der Text von Hensel so wichtig: Denn er pflückt diesen Aspekt noch einmal auseinander und schließt vor allem mit einem Appel: Die Angst der Männer vor dem Aufstieg der Frauen ist es, worum es geht. Die Männer müssen diese Angst erkennen und letztlich besiegen. Ob es dabei hauptsächlich die Angst ist, dass wir ihnen die Arbeit wegnehmen sei dahingestellt. Es ist auf jeden Fall ein Teil davon. Und das manche Männer mit dieser Diagnose nichts anfangen können, ist fast ein q.e.d. (hier der Link zum Tweet)

„Ausgedacht?“ „Schön“ wär’s. Oder habe ich einfach nicht mitbekommen, dass Sexismus in Wahrheit l’art pour l’art ist?!

Und nochmal Männer. Auf „Schlaglichter“ wurde ein anonymer Text veröffentlicht, der sich – neben ausführlichem Unbehagen am Verlauf der #metoo – Debatte, zum Schluß mit den Männern, und damit eben auch der Frage beschäftigt, was Männer tun können.

Den Männern möchte ich sagen: Lasst euch nicht pauschal in die Täter-Schublade zwängen. Lasst es nicht zu, dass typisch männliche Tugenden wie Aggressivität, Mut und Durchsetzungsvermögen zunehmend negativ etikettiert werden. Kümmert euch um eure Söhne, um Jungs in eurem Bekanntenkreis, um junge Männer. Seid positive Rollen-Vorbilder, für den konstruktiven Umgang mit Aggression, den Ausdruck von Gefühlen, stärkt euch gegenseitig.

Geschlechter-Studien zeigen, dass Jungen die klaren Verlierer im Bildungssystem sind. In Institutionen, die fast durchwegs weiblich geprägt sind, haben Burschen schlechte Chancen, ihre männliche Identität zu entwickeln. Diese aber ist unverzichtbar für Selbstbewusstsein und Herzensbildung. Wovon letztlich auch wir Frauen profitieren.

Von mir aus kann #MeToo jetzt gerne weg, es ist höchste Zeit für ein #WeDo.

Sind 3-4 Wochen mediale Aufmerksamkeit schon genug? Haben wir uns genug aufgeregt? Kann #metoo weg?

Ich glaub, nicht. Ich glaub, ich bin noch lang nicht fertig. Und in meinem Kopf, und bei vielen meiner Gesprächspartner*innen der letzten Wochen, geht es gerade erst los. Dabei geht es nicht darum, Hashtags am Leben zu halten und immer weiter fortzuschreiben. Ach, nein. Quatsch. Es geht darum, strukturelle Ungerechtigkeiten zu erkennen und den Mut sowie die Finesse zu entwickeln, sie anzusprechen und, das ist der Antrieb, sie zu beseitigen. Die Autorin des Textes meint, Frauen seien schon längst entsprechend „grundausgestattet“:

Meiner Meinung nach gehört es zur mentalen Grundausstattung jeder Frau, einen Mann, der plumpe Annäherungsversuche startet, verbal in die Grenzen zu weisen oder auf einen blöden Spruch schlagfertig zu kontern. 

Und das ist eben sehr falsch. Denn nein, dass gehört nicht nur „Grundausstattung“ jeder Frau. Siehe die unzähligen aktuellen Fälle. q.e.d. und ja, wir müssen uns alle um die Jungs und männliche Rollenbilder kümmern. Aber woher kommt eigentlich dieser neurotische Zwang, dass sich Frauen nicht mal ausführlich mit sich selber und ihren eigenen Geschichten beschäftigen können?!

Nun was Schönes. Ans ❤ legen möchte ich euch dieses Video hier. Warum Frauen in computer science so schlecht sind:

Geschrieben habe ich auch und zwar bei WELT kmpkt über die Gründe, warum Frauen die glücklicheren Singles sind und warum Männer nicht mehr online daten.

Baba, ihr Lieben, macht’s gut. Haltet euch warm!

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