Newsletter: KW 48 in Genderhausen

Es ist Dezember. Und 2017 und ich, wir laufen gerade um die Wette dem Jahresende entgegen. Geht es euch auch so? Hier in Berlin spekulieren gerade viele, das Jahr sei deshalb so gefühlt schnell vergangen, weil wir keinen Sommer hatten. Nun. Die Kälte macht es zumindest auch nicht langsamer, deshalb schnell zum #Highlight. Mal wieder Antje Schrupp! Der Text ist nicht nur wunderbar geschrieben, er ist auch – wie das mit guten Texten eigentlich immer so ist – total überfällig. Schrupp appeliert an Feministinnen, sich nicht mit Grabenkämpfen, Rechthaberei und Orthodoxien aufzuhalten, sondern zu akzeptieren, dass es eben eine ganze Fülle feministischer Meinungen gebe:

Nicht der Antifeminismus ist die größte Gefahr für die Freiheit der Frauen, sondern der Konformismus. Wenn wir Frauen, um die Gefahr des Konformismus zu bannen, in unseren Reihen ein paar „Antifeministinnen“ ertragen müssen, dann ist das eben so.

Als Feministin lebt man im Patriarchat sowieso in einem Paradox: Die Freiheit der Frau ist hier nicht vorgesehen. Und zu hoffen, dass sich feministische Positionen in diesem Rahmen eindeutig in wahr und unwahr und richtig und falsch einteilen lassen, ist vergebens. Für oder gegen Porno? Für oder gegen Sexarbeit? Für oder gegen High Heels? Für oder gegen #metoo?

Keine dieser Fragen lässt sich so auflösen, dass die eine Seite recht hat und die andere unrecht, jedenfalls nicht, wenn man die Freiheit der Frauen zum Maßstab nimmt. Denn nach diesem Maßstab sind schon die Fragen falsch gestellt. Es gibt keine richtigen feministischen Positionen in einer falschen symbolischen Ordnung, ließe sich Adorno paraphrasieren. Und deshalb kann die Frauenbewegung auch nicht, wie andere soziale Bewegungen, in Parteien und Vereinen organisiert werden. Deshalb ist jedes feministische Manifest in kürzester Zeit schon wieder überholt. Zum Glück. Denn das Schlimmste, was dem Feminismus passieren kann, ist, dass er Orthodoxien ausbildet, anstatt seine Paradoxien anzuerkennen.

Mehr Differenz! Große Leseempfehlung!

Mein #Lowlight kommt aus den USA und es geht um Lena Dunham. Kurz und knapp: Ein mit ihr befreundeter Produzent wurde von einer Schauspielerin des Missbrauchs bezichtigt, Dunham stand ihm öffentlich bei, kassierte einen Shitstorm wegen Victim Blaming und vollzog eine Wende, in dem sie sich dafür öffentlich entschuldigte:

Jede Frau, die sich äußert, verdient, vollständig angehört zu werden, und unsere Beziehung zu dem Beschuldigten sollte keine Rolle in der Beurteilung ihres Falls spielen. Alle Menschen und Feministen sollten sie anhören. Unter dem Patriarchat ist „ich glaube dir“ unverzichtbar. Solange man nicht uns allen glaubt, glaubt man niemandem von uns. Wir bitten alle Frauen um Entschuldigung, die wir enttäuscht haben.

Vielen kam diese Einsicht zu spät. Susanne Schumann hat den Fall beschrieben und spricht sicher vielen aus der Seele, die von Dunham enttäuscht sind.

Viel schlimmer allerdings, was Haydley Freeman für den Guardian aufgeschrieben hat: Das es fast unmöglich ist, in Hollywood als Mann etwas folgenschwer falsch zu machen. Beispiel: Mel Gibson. Rassistische und anti-semitische Ausfälle, auch gegenüber seiner Ex-Freundin inklusive Gewalt ihr gegenüber. Und dafür wurde er sogar zum Teil verurteilt. Und?! Er grinst in kürzester Zeit wieder von den Kinoleinwänden. Ein weiteres Beispiel: Roman Polanski. Hat eine 13-Jährige sexuell genötigt und bekommt trotz alledem einen Lifetime-Achievement-Award. Die Liste, wie Freeman schreibt, lässt sich weiter fortsetzen:

It takes a hell of a lot for a straight white man to destroy his own career. And to be honest, it somewhat undermines all the promises I’ve read about the new no-tolerance attitude towards assault, claiming that men have “learned their lesson”, when Gibson is there, grinning unapologetically from my local multiplex. When it comes to protecting its most prized assets, it’s still business as usual in Hollywood.

Wenn Weinstein wirklich weg vom Fenster ist, wissen wir wohl endlich, was ein weißer Mann in Hollywood machen muss, um seine Karriere zu zerstören…

Zu schönen Dingen! Ans ❤ legen möchte ich euch eine Facebook-Page. Von der Burschenschaft Molestia. Die Burschenschaft Hysteria kennt ihr vielleicht schon, Molestia ist nun in München organisiert und direkt mit einem sehr eindrucksvollen Fackelzug gestartet:

Das sind die großen München-Vermissungs-Momente! Like-Empfehlung allererster Güte!

Und dann noch zwei #Netzfunde Zunächst bei pinkstinks: Der Verein lobt einen POSITIVpreis für progressive Werbung aus. Hier könnt ihr noch bis Februar Vorschläge einreichen. Sowie ein Ehrenwort von Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart. Können wir uns das bitte alle merken und ihn ggf. dran erinnern?!

Geschrieben habe ich auch und zwar bei ze.tt über One-Night-Stands und wie wir sie unbeschadet überstehen und bei Welt kmpkt über Kollegen und warum wir sie im Winter besonders attraktiv finden, welche Info im Dating-Profil besonders viele Matches gibt und warum der Millenial-Sex vielleicht doch etwas aufregender ist als der Sex der Eltern-Generation. Außerdem waren Kim und ich beim Pornfilmfestival und haben ein Video gemacht:

Hier gibt’s den Artikel dazu.

Baba, ihr Lieben, macht’s gut. Und gönnt euch mal en Glühwein und was Süßes.

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