Newsletter: KW 2 in Genderhausen

Die letzte Woche ging ganz schön emotional los. Also ich musste – in einem Newsroom sitzend, egal – ein paar Tränchen wegwischen: Oprah Winfrey hatte bei der Verleihung der Golden Globes einen Award für ihr Lebenswerk erhalten. In ihrer Dankesrede bezog sich Winfrey auf Frauen, deren Namen (und deren Geschichten) – anders als in der #metoo-Debatte – nicht gehört wurden. Wie zum Beispiel Recy Taylor. Eine afromamerikanische Bürgerrechtlerin, die im letzten Jahr gestorben ist. Vor mehr als 70 Jahren wurde Taylor von sechs Männern vergewaltigt.

Zu einem Prozeß gegen die weißen Täter ist es nie gekommen.

Winfrey berichtet von Taylor und anderen Frauen, um damit ein Versprechen an junge Mädchen und Frauen abzugeben: Der Tag, an dem es solche Geschichten nicht mehr geben wird, der Tag, an dem niemand mehr #metoo wird sagen müssen, ist nahe: „A new day is on the horizon!“

Wie amerikanisch?! Aber es ist eigentlich unmöglich, diese Rede als klischeebeladen oder zu schlicht zu sehen. Zu gewaltig Winfreys Vermögen zu bewegen, zu bewegt der Raum voller Hollywood-Stars. Hier ist die Rede zu sehen und hier gibt es ein Transkript.

Und das Winfrey nach dieser Rede umgehend als mögliche Präsidentschaftskandidatin gehandelt wird, ist im US-Kontext nur konsequent. Die New York Times erklärt, wieso.

Wer glaubt oder gar hofft, #metoo wäre in 2017 geblieben, der muss also sowieso neu denken. They ain’t seen nothing yet!  Reden wir doch auch mal über finanzielle Gleichstellung. Bei der BBC wurden Gehälter öffentlich gemacht, mit dem Ergebnis, dass Carrie Gracie, langjährige China-Expertin des Senders, ihren Job hinschmiß. Gracie will nicht mehr Geld, sie hält sich für ausreichend bezahlt, aber sie will gerechte Bezahlung. Und damit nicht deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Die genauen Hintergründe hat der Guardian aufgeschrieben. Und ich vermute: Das wird DAS Thema 2018. Wenn noch mehr Unternehmen ihre Gehaltspolitik offenlegen, wird nämlich herauskommen, dass Frauen überall deutlich weniger als Männer verdienen. Dann gibt’s Krawall. Zurecht.

Und nochmal #metoo. Meine Mutter erzählte, dass sie in der letzten Woche eine Bekannte getroffen hätte, die – noch bevor sie gegrüßt hätte – ausrief: „Catherine Deneuve!! Ich fand die immer gut, aber die spinnt ja!“ Deneuve (und 100 weitere Französinnen) hatte in einem offenen Brief so etwas wie eine Rettung des Flirt angemahnt, da Männer doch auch weiterhin die Möglichkeit haben sollten, Frauen anzumachen. Der „Krieg der Romantik“ gehöre beendet. Dazu schrieb Jessica Valenti:

 

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