Newsletter: KW 4 in Genderhausen

Der Frühling ist irgendwie da, oder? Im Januar, erstaunlich. Auch erstaunlich, was in den letzten Tagen so in puncto Lyrik abging. Lyrik! Es gibt ja nicht wenige, die glauben, Gedicht sei halt das, was sich hinten reimt. Aber egal, denn derzeit geht es ja auch ums große Ganze. Kunstfreiheit!

Der Hintergrund: An der Wand einer Berliner Fachhochschule steht ein Gedicht des Poeten Eugen Gomringer, es soll nun übermalt werden, da es als sexistisch wahrgenommen wird. Hier nochmal genauer nachzulesen. Und daher geht es jetzt also um Kunstfreiheit, und um wildgewordene political correctness. Die Sexismus-Debatte sehen jetzt viele als völlig verhoben an, die Übermalung des Gedichts als verlängerter Arm des Wir-dürfen-jetzt-auch-nicht-mehr-flirten. Wer jetzt die Kunstfreiheit ernsthaft in Gefahr sieht, kann sich so zielsicher auf der richtigen Seite stehend wähnen, da ging dem ein oder anderen vor lauter Rechtschaffenheit sicherlich einer ab. Also mit Verlaub.

Jens Spahn twitterte den Text des Gedichtes als Reaktion und über dem Axel Springer-Hauptgebäude wurde es in die Berliner Nacht hinausgestrahlt. Eine seriöse Auseinandersetzung mit der Kunstfreiheit habe ich allerdings eher vermisst. Wäre durchaus angebracht, stattdessen wurde die Gunst der Stunde genutzt, um die „Sache“ des Anti-Sexismus ganz grundsätzlich mal zu diskreditieren – seht her, was diese irren, wahn-verblendeten Feminist*innen alles tun. Nichts ist ihnen heilig. Sogar die Kunst, die Kunst!

Wie Georg Diez twitterte:

Dabei könnte man ja auch weiter und fortwährend über Sexismus reden, der so allgegenwärtig ist, dass er bestimmt vielen nicht mehr auffällt. Wie hier beispielsweise:

Oder im Schulunterricht in Sachsen-Anhalt:

Ich lass das einfach mal so stehen. Auch, weil mir ein bisschen die Worte dazu fehlen. Sexismus und Ungleichheit gehen ganz früh los. Ich habe vor ein paar Tagen nach einem Geschenk für die kleine Tochter einer Freundin gesucht. Es war wirklich fast unmöglich etwas zu bekommen, das nicht entweder pink oder blau war. Da passt dieses Video, das ich auf Facebook gesehen habe:

Aber nun zu #Highlights. Ein Text von Lili Loofbourow. Loffbourow schreibt ausgehend von der Aziz Ansari-Debatte und der Frage, warum so viele Frauen derzeit von sehr unangenehmen sexuellen Erlebnissen berichten über „The female price of male pleasure“  und beleuchtet dabei die Frage, die wohl vielen gekommen ist:

Why didn’t she just get out of there as soon as she felt uncomfortable

Die Antwort, die sie gibt, ist folgende:

Women are enculturated to be uncomfortable most of the time. And to ignore their discomfort.

Und das ist nicht simpel, noch verkürzend – sondern sehr schlau argumentiert und belegt. Große Leseempfehlung:

I wish we lived in a world that encouraged women to attend to their bodies‘ pain signals instead of powering through like endurance champs. It would be grand if women (and men) were taught to consider a woman’s pain abnormal; better still if we understood a woman’s discomfort to be reason enough to cut a man’s pleasure short.

Baba, ihr Lieben, macht’s gut. Nächste Woche kommt der Newsletter erst am Dienstag – ich mache nämlich sowas wie Urlaub und mein Laptop muss zuhause bleiben. Eine feine Woche Euch!

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