Newsletter: KW 6 in Genderhausen

Für den Rest der Welt geht eine neue Woche los, in Köln kütt gleich d’r Zoch. Trotzdem Newsletter, den es gibt ja auch noch anderes zu feiern: 100 Frauenwahlrecht zum Beispiel. In England wird dieses Jubiläum gerade ordentlich gefeiert – mit tollen Kommentaren, Ausstellungen und Artikeln, die sich ganz Grundsätzlichem widmen. 100 Jahre Frauenwahlrecht, aber wie gleichberechtigt sind wir wirklich? Und welche Hoffnung dürfen wir für zukünftige Generationen haben? Wie sieht es 2118 aus? Diese Frage haben fünf Autorinnen für den Guardian beantwortet: Margarate Atwood, Lola Okolosie, Polly Toynbee, Athene Donald und Julia Bindel.

Alle fünf sind verhalten skeptisch. Die Objektifizierung von Frauen scheint viel hartnäckiger als gedacht, wohl auch hartnäckig genug, um noch 100 weitere Jahre zu überleben. Auch in Bezug auf Sexismus. Wie Athene Donald, Physikprofessorin in Cambridge, schreibt:

I am astonished by the depth of vitriol that feminist commentary still stirs up. Rape and pillage have been going on for millennia and I’m not entirely convinced they are going to be eradicated.

Klar scheint aber auch, dass wir starke Veränderungen in der Arbeitswelt erfahren werden – Stichwort Automatismus, Stichwort working class women:

Hair-splitting, divisive “identity politics” based on individual “rights” will be replaced with a revolutionary movement based on a recognition of structural inequalities and new ways to end oppression.

Große Leseempfehlung!

Ein Grund zur Skepsis in puncto Objektifizierung ist die gerade angelaufene 13. (!!!) Staffel von Germany’s Next Topmodel. Eigentlich, so würde man irgendwie meinen, ist schon oft genug gesagt worden, wie grässlich diese Sendung ist. Und doch lohnt es auch dieses Jahr wieder darüber zu schreiben, und zu lesen: Im SZ Magazin beschreibt Rainer Stadler, was die Sendung mit dem Frauenbild seiner kleinen Tochter macht und warum – zur Hölle – in Zeiten von #metoo Heidi Klum mit dieser Sendung so weitermachen darf. Außerdem bei der SZ, eine Fernsehkritik von Ruth Schneeberger:

Das einzige Problemchen, das Heidi Klum jetzt noch zur Strecke bringen könnte, wäre die #metoo-Debatte. Wenn sogar Boxenluder oder Grid Girls nun abgeschafft werden sollen im Zuge einer generellen Sensibilisierung für frauenverachtende Formate vor und hinter der Mattscheibe, dann könnte es vielleicht sein, dass ProSieben demnächst verkünden wird, dass es keine 14. oder 15. GNTM-Staffel mehr geben soll.

So, aber zum Schluß noch ein paar gute Neuigkeiten. Und zwar aus München: Dort laufen derzeit zwei Ausstellungen von Künstlerinnen, die ich überaus großartig finde: Kiki Smith und Gabriele Münter. Kiki Smith bekommt im Haus der Kunst ihre erste Retrospektive, die Künstlerin beschäftigt sich in ihrem Werk mit dem weiblichen Körper – zum Teil etwas arg plakativ, wie ich finde, aber dann auch wieder nicht. Wenn man sich darauf einlässt. Hier eine Rezension der Ausstellung bei Deutschlandradio Kultur.

Die Münter-Ausstellung läuft noch bis Anfang April im Münchener Lenbachhaus – da möchte ich unbedingt hin! Neben meinem Bett hängt ein Münter-Druck, den ich mit 18 Jahren geschenkt bekommen habe – einer Zeit, in der ich völlig hin und weg war vom Expressionismus, dem Blauen Reiter und schon eine deutliche Ahnung davon hatte, dass Münter als zeitweise Lebensgefährtin von Wassily Kandinsky, ungerechterweise nicht ausreichend Anerkennung erfahren würde.

Und außerdem noch. Was Margarete Stokowski sagt:

Baba, ihr Lieben, macht’s gut. Feiert noch fein und ansonsten: Am Aschermittwoch ist nichts vorbei. So ein Blödsinn. Da geht es nämlich erst richtig los… 🙂

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